Die Geburt der Mikroelektronik in Deutschland

- Mar 12, 2019-

Einer der ersten Transistoren der Welt fand vor etwa siebzig Jahren den Weg nach Deutschland und markierte den Beginn der deutschen Halbleiterindustrie. Damals gelangte es auf Umwegen nach München, wo es seit Anfang des Jahres im Deutschen Museum - dem größten Wissenschafts- und Technikmuseum der Welt - ausgestellt ist.

Der Transistor ist jetzt knapp über siebzig Jahre alt. Und heutzutage werden fast alle Bereiche unseres Lebens von dem bestimmt, was Physiker und Elektroingenieure aus diesem unauffälligen „Dreibeinigen“ gezogen haben. Dem österreichisch-ungarischen Physiker Julius Edgar Lilienfeld werden bereits 1925 die ersten Patente für einen Transistor zugeschrieben. Damals war seine Implementierung jedoch nicht möglich. Dies lag unter anderem daran, dass kein reines Halbleitermaterial zur Verfügung stand. Es dauerte weitere zwanzig Jahre, bis Wissenschaftler der Bell Laboratories am 23. Dezember 1947 den ersten funktionsfähigen Bipolartransistor während einer internen Demonstration vorstellten.

Transistor Nr. 9 auf einem Umweg

Von diesen ersten Transistoren erreichte die "Nummer 9" 1952 Deutschland, wo sie die Entwicklung der deutschen Halbleiterindustrie maßgeblich beeinflusste. Kurz darauf Transistor Nr. 9 verschwand in einer roten Streichholzschachtel, wo es bis 2006 blieb.

Die Streichholzschachtel enthielt auch eine handschriftliche Notiz von HW Fock, einem Mitarbeiter von Siemens in München vom 5. November 1952. „Wie vereinbart senden wir Ihnen den Bell-Transistor 1768, No. 9. “Allerdings ist es erst 2006 wieder aufgetaucht. Ein Siemens-Mitarbeiter, der seit vielen Jahren im Unternehmen war und zu diesem Zeitpunkt in den Ruhestand gegangen war, hatte sich zu Hause um ihn gekümmert. Er stellte den Transistor seinen Kollegen mit großen Augen vor und übergab ihn dem Historischen Archiv von Infineon.

Transistor Nr. 9 und der "Kalte Krieg"

Zu diesem Zeitpunkt Transistor Nr. 9 hatte bereits eine abenteuerliche Reise hinter sich: Bell Labs lud im Mai 1952 160 Wissenschaftler zu einem internationalen Transistor-Symposium ein, wo er seine Erfindung präsentierte. Unter den Zuschauern befanden sich vier Mitarbeiter der Siemens & Halske AG, die die enorme Gebühr von 25.000 US-Dollar bezahlt hatten. Die strikte Geheimhaltung wurde durchgesetzt, da die zukünftige Technologie nicht in die Hände des Ostblocks geraten sollte. Bell Labs wollte jedoch Unternehmen aus dem Westen als Lizenznehmer erwerben.

Diese ungewöhnliche „Offenheit“ war wahrscheinlich auf die Anti-Trust-Politik der US-Regierung zurückzuführen. Im Jahr 1949 wurde Bell Labs von der Regierung mit der Erforschung der Transistortechnologie beauftragt. Im Rahmen dieser Verträge war Bell Labs verpflichtet, die Forschungsergebnisse zu angemessenen Preisen an die Lizenznehmer weiterzugeben. Die Idee dahinter war, dass mit staatlichen Mitteln entwickelte Technologien auch anderen Unternehmen zur Verfügung stehen sollten.

Die neuesten Forschungsergebnisse von Bell Labs und die dazugehörigen Transistormuster bildeten Ende 1952 die Basis für eine Halbleiterfabrik in München. Die ersten Punktkontakttransistoren, TS13 und TS33 aus dem Jahr 1953, waren denen der Bell Labs sehr ähnlich.

Neue Nr. 1 im Deutschen Museum

„Number 9“ ist jetzt der Star der aktuellen Mikroelektronik-Ausstellung im Deutschen Museum , der im Jahr 2020 eine umfangreiche Dauerausstellung für Elektronik folgen wird. Besucher der Ausstellung können auch das Transistron sehen, das europäische Äquivalent der US-amerikanischen Erfindung. Der deutsche Physiker Herbert Franz Mataré entwickelte diesen ersten europäischen Transistor zusammen mit Heinrich Welker in einem Labor in Paris, Frankreich - unabhängig von den Amerikanern, aber fast zeitgleich zu den Amerikanern. Trotz besserer Geräuschwerte, einer längeren Lebensdauer und besseren Stabilität wurde das europäische Transistron jedoch niemals kommerziell entwickelt. Wichtige theoretische Vorarbeiten für Transistoren wurden übrigens in den 1920er und 1930er Jahren in Österreich und Deutschland durchgeführt. Zu dieser Zeit suchten Wissenschaftler nach einer Alternative zu Elektronenröhren (Trioden).